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Räume schaffen für die Ressource Religion

Paderborn. Am Montag, 05.10.2026 fand im historischen Rathaus die vom Forum der Religionen organisierte Podiumsdiskussion zu der Fragestellung „Wie viel Religion braucht der Staat?“ statt. Die Landtagsabgeordnete Norika Creuzmann, der ehemalige Paderborner Bürgermeister Michael Dreier, Jun.-Prof. Dr. Idris Nassery von der Universität Paderborn und Dr. Lukas Wiesenhütter hatten neben der Moderatorin Julia Kleinekemper auf dem Podium Platz genommen. Die stellvertretende Bürgermeisterin Sabine Kramm betonte in ihrer Begrüßung die Bedeutung des großen Saals als ein Ort der Demokratie und der Diskussion. Die anschließende Diskussion verlief jedoch deutlich harmonischer als es vermutlich bei Ratssitzungen zugeht. Einigkeit zwischen den Vertretenden aus der Politik und denen der Religionen bestand sogar in der direkt zu Beginn von Norika Creuzmann getätigten Aussage, dass der Staat überhaupt keine Religion benötige. Jun.-Prof. Dr. Idris Nassery brachte das Verhältnis zwischen Staat und Religion auf den Punkt: „Es bedarf eines Staates, der die Demut und Bescheidenheit hat, Religionen zu ermöglichen“. Denn – und da waren sich die Teilnehmenden auf dem Podium einig – die Religionsgemeinschaften können den Menschen etwas geben, was der Staat nicht kann. Sie sind eine Ressource für eine Stadt, die einen wichtigen Beitrag in Bezug auf die Bildung von Gemeinschaft und Gemeinwohl leisten kann. Michael Dreier betonte, dass es ihm in seiner Amtszeit als Bürgermeister immer ein wichtiges Anliegen war, die Religionsgemeinschaften zusammenzubringen und aktuelle Themen mit diesen zu diskutieren. Dr. Lukas Wiesenhütter betonte in diesem Zusammenhang die Fähigkeit von Religionen Resonanzräume schaffen zu können. Einigkeit auf dem Podium herrschte ebenfalls auf dem Podium bei der Frage zum Umgang der Religionsgemeinschaften mit verfassungsfeindlichen Gruppierungen. Norika Creuzmann betonte, dass Kirchen sich genauso wie alle anderen in der Gesellschaft gegen Parteien stellen sollten, die die Demokratie abschaffen wollen. Dr. Lukas Wiesenhütter ergänzte, dass die Kirchen dafür ihre Toolbox an Möglichkeiten vollumfänglich ausschöpfen sollte. Als wichtige Herausforderung sahen es alle auf dem Podium an, die Jugend wieder mehr an die Religionsgemeinschaften zu binden. Dafür müssen sich die Religionen für diese Zielgruppe deutlich attraktiver präsentieren. Eine Möglichkeit, wie dies geschehen kann, ist, Räume zu schaffen. Physische Räume, in denen Begegnung stattfinden kann, aber auch Räume, in die durch Religionsgemeinschaften inhaltlich gefüllt werden können. Positiv wurde die Rückmeldung aus dem Publikum aufgenommen, dass es in Paderborn aktuell eine multireligiöse Arbeitsgruppe gibt, die sich mit genau dieser Frage beschäftigt und einen Raum schaffen möchte, der als Begegnungsort fungiert. Die Diskussion machte deutlich, dass Staat und Religion unterschiedliche Aufgaben erfüllen, Religionsgemeinschaften aber gerade durch die Förderung von Gemeinschaft, gesellschaftlichem Zusammenhalt und demokratischen Werten einen wichtigen Beitrag zum Gemeinwohl leisten können.